Das Gartentier 2019: Blaugrüne Mosaikjungfer

Patrouille am Gartenteich

Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) wurde von 1.033 Naturfreunden zum Gartentier des Jahres 2019 gewählt. In diesem Jahr standen sechs Teichbewohner zur Wahl. Mit der Aktion möchte die Heinz Sielmann Stiftung auf den dramatischen Rückgang der biologischen Vielfalt in unserer Kulturlandschaft hinweisen. Mit 33,4 % der Stimmen lag die Blaugrüne Mosaikjungfer, eine der häufigsten Großlibellen in Deutschland, klar vor den anderen Kandidaten.

 

Das Gartentier des Jahres 2019 gehört zur Familie der Edellibellen. Mit einer Körperlänge von bis zu acht Zentimetern und einer Flügelspannweite von bis zu elf Zentimetern gehört die Art zu den größten Libellen. Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist gut an den ovalen, grün gefärbten Flecken auf dem Rücken zu erkennen. Auf dem schwarzen Hinterleib der Männchen sind oberseits grüne oder blaue Flecken sehr charakteristisch angeordnet. Bei den Weibchen sind alle Flecken braunschwarz-grün.

Den Komplexaugen mit den bis zu 30.000 Einzelaugen der Libelle entgeht nichts. Copyright: Dr. Hannes Petrischak / Heinz Sielmann Stiftung
Den Komplexaugen mit den bis zu 30.000 Einzelaugen der Libelle entgeht nichts. (Copyright Dr. Hannes Petrischak / Heinz Sielmann Stiftung)

Riesenlibellen schon vor Millionen Jahren auf der Erde

Libellen sind echte Urviecher. Die ältesten Vorfahren der heutigen Arten umschwirrten schon im Karbon vor 358 bis 298 Millionen Jahren die Sumpfwälder, die heute als Steinkohle abgebaut werden. Dabei waren diese Vertreter deutlich größer. Fossilien belegen Flügelspannweiten bis zu 72 Zentimeter. Der Körperbau und die Lebensweise der Libellen haben sich in den letzten 150 Millionen Jahren kaum noch verändert. Libellen sind eine Erfolgsgeschichte der Evolution, die den Luftakrobaten gleich mehrere erstaunliche Fähigkeiten mit auf den Weg gegeben hat.

30.000 Augen entgeht nichts

Die großen Facettenaugen bestehen aus bis zu 30.000 Einzelaugen. Auf der Kopfoberseite liegen zusätzlich drei kleine Punktaugen, die als Gleichgewichtsorgan schnelle Flugbewegungen koordinieren können.

Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist ein geschickter Jäger. Sie fängt ihre Beute im Flug. Mücken, Fliegen und anderen Fluginsekten, manchmal auch anderen Libellen, stehen auf ihrem Speiseplan. Entlang des Gartenteichs, aber auch weiter entfernt auf Wiesen und an Waldrändern ist sie aktiv unterwegs, auf der Suche nach der nächsten Mahlzeit. Zur Paarungszeit patrouillieren die Männchen entlang des Gewässers. Sie bleiben häufig im Flug in der Luft stehen, um nach Weibchen Ausschau zu halten. Und Libellen haben noch eine erstaunliche Fähigkeit. Dank der unabhängigen Anordnung der vier Flügel, können sie sogar rückwärts fliegen. Vor allem bei Revierkämpfen unter den Männchen ist diese Eigenschaft nützlich.

Libellen stechen nicht

Hartnäckig hält sich das Gerücht, Libellen würden stechen. Sie sind völlig harmlos und besitzen keinen Stachel. Allerdings sind einige Arten recht neugierig und umkreisen Menschen oder Objekte, um sie von allen Seiten betrachten zu können. Dabei verharren Sie oft im Flug oder ändern abrupt die Richtung.

Botschafter für gefährdete Libellenarten

Von den 79 heimischen Libellenarten werden 35 Spezies auf der Roten Liste der gefährdeten Insekten aufgeführt. Das Gartentier des Jahres 2019 steht noch nicht auf der Roten Liste. Denn die Blaugrüne Mosaikjungfer ist eher genügsam. Den Großteil ihres Lebens verbringt sie nicht als Fluginsekt. Die Larven leben bis zu drei Jahre lang im Wasser, bevor sie sich in die schillernde Libelle verwandeln. Sie tolerieren auch Sauerstoffmangel und Frost. Selten gelingt die Entwicklung der Larve zur Libelle sogar in Regentonnen. Die Ansprüche an die Gewässerqualität und -Struktur sind nicht sehr hoch. Dennoch ist diese häufige Libelle Botschafter für ihre gefährdeten Artgenossen.

Jeder kann etwas für die Artenvielfalt tun

Jeder Gartenfreund kann selbst etwas für das Gartentier des Jahres und all seine wasserbewohnenden Kollegen tun.

Nora Künkler, Biologin bei der Heinz Sielmann Stiftung, erklärt: „Der aktuelle Bericht des Weltbiodiversitätsrates zeigt, dass wir auf einen dramatischen Wendepunkt zusteuern, wenn wir den Verlust der Artenvielfalt nicht jetzt aufhalten. Jeder zweite Haushalt besitzt einen Garten, das sind etwa 20 Millionen Gärten in Deutschland. Allein alle Kleingärten, etwa eine Million insgesamt, bedecken eine Gesamtfläche von 40.000 Hektar. Gärten haben eine wichtige Funktion als Ersatzlebensräume und Trittsteine für Tier- und Pflanzenarten.

Gärtner müssen sich ihrer Verantwortung für den Artenschutz bewusst sein. Mit einer naturnahen Gestaltung können sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten.“

4 Tipps für einen naturnahen Landhaus-Garten

 

1. Natur-Tipp: Im naturnahen Landhaus-Garten sollte auf Insektizide, Pflanzenschutzmittel und chemische Dünger verzichtet werden.

2. Natur-Tipp: Durch die kluge Kombination von Pflanzenarten lässt sich die natürliche Abwehr stärken.

3. Natur-Tipp: Wilde Ecken im Garten bieten Nahrung und Rückzugsräume für Tiere. Totholzstapel etwa werden zum Winterquartier für Erdkröte oder Igel.

4. Natur-Tipp: Blumenwiesen statt Golfrasen locken Nützlinge wie Schmetterlinge, Käfer oder Hummeln in den Garten und bedeuten Zeitersparnis für den Gärtner. Statt den lärmenden Mäher über den Rasen zu schieben, kann der sich im Liegestuhl zurücklehnen und das bunte Treiben im Garten beobachten.

 

Weitere Informationen: https://www.sielmann-stiftung.de/gartentier

 

Bildnachweis Titelbild: Copyright: Andreas Thomas Hein / libellenwissen.de

Das könnte Sie auch interessieren:

Kletterpflanzen: die vertikale Stars im Landhausgarten

Pflanzen, die es in die Höhe zieht! Efeu, Kletterrosen, Clematis oder Blauregen* – sie erklimmen Hauswände und Gartenzäune, Torbögen und sogar alte Bäume: Kletterpflanzen sind [...]

Regrow: Neues Gemüse aus Küchenresten ziehen

Salatstrunk, Avocadokern und Zwiebelwurzel sind mehr als nur Küchenabfall. Einmal gekauft, kann man sie immer wieder nachwachsen lassen. Wie kinderleicht das funktioniert, zeigt das Buch […]

Ein Hoch aufs Gärtnern: Hochbeet für Garten, Terrasse oder Balkon

Frisches Gemüse, Salat und Kräuter aus eigener Ernte – ein Hochbeet ist ideal für Hobbygärtner mit Garten, passt als kleine Variante aber auch auf Balkon […]

Affiliatelinks:
Dieser Beitrag kann Werbelinks enthalten. Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn Sie auf so einen Link klicken und über diesen Link einkaufen bzw. buchen, erhalten wir von dem betreffenden Online-Shop oder Anbieter eine kleine Provision. Für Sie verändert sich dadurch aber nicht der Preis!

Noch liegen keine Bewertungen vor.

War dieser Beitrag hilfreich für Sie? Hat er Ihnen gefallen?